Wie Web 2.0 die Reisebranche verändert

Skeptisch beurteilt Jakob Strobel y Serra heute in der FAZ die langfristigen Chancen, die sich durch das „Mitmach-Netz“ im allgemeinen und für die Touristik im speziellen bieten.

Hotel- oder Restaurantbewertungen böten kaum Nutzen, da oft gleichzeitig positive wie negative Meinungen veröffentlicht werden. Dem einen gefällts, dem anderen nicht – wie ist’s denn jetzt in Wahrheit? fragt Strobel etwas naiv. Die Suche nach der einen Wahrheit scheitert nicht am Web 2.0, sondern einfach am Leben: Die Geschmäcker sind nun mal verschieden, und es obliegt immer noch dem Nutzer, die Bewertungen selbst zu bewerten. Wohl auch etwas, was man erst lernen muß, eine Art „Bewertungskompetenz“ gewissermaßen. Andererseits hat er natürlich ein Stück weit recht, die Möglichkeiten von Bewertungsseiten sind bei weitem noch nicht ausgereizt, oftmals findet man einfach nur eine plumpe Aneinanderreihung von endlosen Kommentaren.
Strobel fragt sich außerdem, wie lange die Nutzer noch mitspielen und kostenlosen Content liefern, mit dem sich andere eine goldene Nase verdienen:

Immerhin lebt das interaktive Internet ausschließlich vom Enthusiasmus der Nutzer, die ohne Gegenleistung Filme produzieren, Reiseberichte schreiben, Hotels bewerten oder Gleichgesinnte beraten. Wie lange geht diese Menschenfreundlichkeit gut? Wann kollabiert das System, weil es sich kommerzialisiert und andere an den eigenen Mühen verdienen?

Ich sehe durchaus eine Gegenleistung für die Nutzer, sei es die Möglichkeit der Selbstdarstellung etwa auf der YouTube-Bühne, sei es ein Stück Altruismus, anderen die eigenen Erfahrungen bei Reisen weiterzugeben oder auch nur die Möglichkeit, den Ärger über ein schlechts Hotel/Restaurant/… loszuwerden. Die Nutzer sind mE eher dankbar für eine Plattform wie Hotelbewertung.de oder Youtube, als dass sie ihren Anteil am Erfolg (finanziell) einfordern würden. Zum anderen: Linux ist mit genau diesem „Enthusiasmus der Nutzer“ sei 1991 höchst erfolgreich unterwegs, obwohl sich damit einige dumm und dämlich verdienen.
Sein Fazit seiner umfangreichen Betrachtungen:

Die User dürfen sich immerhin umsonst austoben und das Netz mit ihren Reiseberichten und Urlaubsvideos vollstopfen. „Emotion sharing“ nennt man das in der Fachsprache. Vielleicht ist das ja schon der Fortschritt.

Schlagwörter: , , ,

4 Reaktionen zu “Wie Web 2.0 die Reisebranche verändert”

  1. ridcully

    Web 2.0 appeliert genau an das Bedürfnis der Menschen sich mitzuteilen. Alleine andere an den Freuden oder dem Leiden teil haben zu lassen reicht aus. Mit anderen zu kommunizieren ist der Gedanke der hinter einem Blog oder dem ganzen Hype 2.0 steckt. Es ist doch aber so, dass man auch im wahren Leben ein gutes Lokal empfiehlt. Nichts anderes sind Bewertungen im Internet.

    Was Bewertungskompetenz angeht, so ist das für mich nichts anderes als allgemeine Medien-Kompetenz. Natürlich muss diese in einem neuen Medium erst gelernt werden. Das war bei den Zeitungen nicht anders, war beim Radio nicht anders, war beim Fernsehen nicht anders, und ist auch im Internet nicht anders. Wer diese Kompetenz nicht hat, der muss das gelesene glauben. Genau diese fehlende Kompetenz ist häufig der Grund für die Angst, die manche haben.

    Dabei ist es nicht so, dass die Besucher alles kostenlos abgeben. Eine Bewertung ist zwar kostenlos, aber der Mehrwert den man durch das Lesen und Kommunizieren mit Anderen gewinnt, wiegt diese vermeintlichen Kosten wieder auf.

  2. FLorian

    schade, dass dies der letzte Eintrag seit mehr als einem Monat ist. Schade um den tollen blog

  3. Nic

    2007 geht’s wieder mit regelmäßigen Einträgen weiter, Florian. Ein Schienbein- und Sprunggelenksbruch hat mir leider für ein paar Wochen keine Zeit für’s Touristikblog gelassen.

  4. Florian

    na dann gute besserung und einen guten Rutsch (aber bitte nicht wörtlich)

    Du kannst ja gern, falls es Dich interessiert meine bzw. unsere website aufrufen und Dich auf den neuesten Stand bringen :)

    http://www.tourismus-zukunft.de