fvw-Kongress: 1. Tag

16. September 2008

Was war los am ersten Tag fvw-Kongress in Köln?

Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sprach als Chairman von Thomas Cook Group plc., wie üblich sagt ein Sprecher eines börsennotierten Konzerns nichts wirklich neues, da schaun die Hausjuristen schon – könnte ja kursrelevant sein. Auch zu Lage bei Condor keine Überraschung: Condor fliege sehr profitabel, man habe keinerlei Zeitdruck für einen Verkauf oder Merger.
Das Internet (er rechnet für 2011 mit einem Online-Anteil von 34%) sei für Cook v.a. für die Bindung von Kunden an die eigenen Marken wichtig. Nutzerbewertungen würden zunehmend wichtiger, Thomas Cook möchte Bewertungen auf den eigen Seiten ausbauen, was allerdings nicht so einfach sei: „In Konzernstrukturen brauchen sie für Änderungen länger“ so seine Erkenntnis.
Und – hey! – web2.0 bei Cook gibt’s auch: Thomas Cook hat Werbevideos bei YouTube hochgeladen. Genau so funktioniert das mit diesem web2.0.

Expedia-Europa usw.-Chef Dermot Halpin sprach über den online-Boom, ob er nun zu Ende sei (natürlich nicht, nur anders) und stellte vor allem fest, dass Vorhersagen nicht leicht sind, v.a. wenn sie die Zukunft betreffen.

Rewe-Chef Rembert Euling versuchte, virtuelle und klassische Veranstalter abzugrenzen, mit dem Ergebnis dass sich beide Seiten annähern, was auch in der anschließenden Diskussion mit Markus Hartwig (LMX) und Thomas Wagner (Unister) deutlich wurde. Die etablierten wollen/müssen dynamischer werden, die virtuellen würden gern etwas langfristiger arbeiten. So nähert sich die reine Lehre einander an.

Schade nur, dass Thomas Wagner so wenig Infos über seine Firma nach draußen gibt.

Weiter zum Community-Thema.

Zahlen zu weg.de

12. September 2008

Comvel-Chef Aleksandar Vucak hat bei einem Expertenforum der fvw zum Vertrieb ein paar Zahlen zu seinen Marken weg.de und dem virtuellen Veranstalter Ferien genannt:

  • 2008 vermittelt die Comvel-Gruppe Reisen im Wert von 160-180 Mio. Euro
  • 65% der weg.de-Besucher kommen direkt (ohne Suchmaschine etc.)
  • Vucak rechnet online mit 20% Wachstum in den nächsten 5 Jahren, weniger als erwartet

Ein interessantes Zitat noch zur Profitabilität. Vucak:

Es gibt kein einziges Online-Portal, das in Deutschland schwarze Zahlen schreibt, auch Expedia nicht. Wir versuchen, im nächsten Jahr die schwarze Null zu erreichen.

Naja, ich kenn da schon eins

Massive Probleme: Ist Türkei-Veranstalter Pleite?

4. September 2008

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel aus 2008 betrifft die Firma Bentour International, die heute nicht mehr existiert.

Bentour International ist jedoch nicht zu verwechseln mit Bentour Swiss, die aktuell Marktführer in der Schweiz für Türkei-Reisen sind und absolut nichts mit den hier beschriebenen Vorgängen um Bentour International zu tun haben. Bentour Swiss versteht sich als Qualitätsveranstalter (mit einer Reklamationsquote von lediglich 0,05% im Jahr 2010), ist u.a. Mitglied im Deutschen Reiseverband.

Weiter zum original Bericht vom 4.9.2008:

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Abgestürzter Spanair-Flug: Passagierliste

21. August 2008

Wegen dem verunglückten Spanair-/Lufthansa-Flug JK 5022/LH 2554 gab es auch bei unseren Reiseberatern eingie Anrufe besorgter Angehöriger. Seltsam finde ich die Informationspolitik der Lufthansa, die auf einer Sonderseite zum Unglücksflug mit dürren Worten keine Angaben zu Passagieren macht (Stand heute 08:30), während Codeshare-Partner Spanair die Passagierliste bereits veröffentlicht.

Nachtrag: Lufthansa hat mittlerweile reagiert und die Passagierliste verlinkt (09:30)

Ich finde es wenig sinnvoll, sich hinter den spanischen Behörden zu verschanzen, die nach LH-Angaben erst noch offiziell tätig werden müssten, wenn eh schon alle Namen beim Codeshare-Partner online zu finden sind. Den Angehörigen hilft die strenge LH-Haltung nämlich nicht viel.

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Urlaub im Inland

8. August 2008

Urlaub in Deutschland liegt „im Trend“, wie es immer so schön heißt, v.a. gefragt sind die deutschen Städte: Berlin vor Hamburg vor München. International sind Rom und London beliebt.

Das geht aus dem aktuellen Expedia Travel Trendwatch hervor. Irgendwelche Trends sind ja immer schnell ausgemacht, mal geht’s hier etwas rauf und da etwas runter. Was mich aber überrascht hat ist die durchschnittliche Zahl der Urlaubstage je Land. Dass sich der US-Amerikaner mit schlappen 14 Tagen Urlaub/Jahr begnügen muß war nicht neu, dass aber Franzosen im Schnitt auf stolze 37 Urlaubstage kommen überrascht mich dann doch.

Und was machen die Franzosen damit? 69% verbringen ihn vor allem im eigenen Land (von den deutschen machen 58% Urlaub in Deutschland).

Ryanair sperrt Vtours aus

15. Juli 2008

Vtours darf ab sofort keine Ryanairflüge mehr zu seinen Pauschalreisen mischen. Der irische Billigflieger hat es Vtours per gerichtlicher Verfügung untersagt, weiter die Tarife von der Ryanair-Website abzugreifen.

Offiziell stößt sich Ryanair am „screen scrapen“, also einer Art Datenklau durch systematisches auslesen der Ryanairtarife von deren Website. Das sei in den Nutzungsbedingungen von ryanair.com grundsätzlich untersagt. Durch screen scraping würden z.B. nicht immer die günstigsten Tarife ermittelt oder nicht immer alle Bedingungen, Flugzeitänderungen etc. korrekt an die Kunden weitergegeben. Weitere Details in der Pressemitteilung von Ryanair.

(Technisches Detail: Vtours selbst liest wohl gar nix von der Ryanair-Site aus, vielmehr spielt die Softwareschmiede Partners die Flugdaten ins Traveltainment-System ein, wo die Reisen dann – nicht nur von Vtours alleine – gemixt werden)

Grundsätzlich wehrt sich Ryanair seit jeher gegen jede Art vom Fremdvertrieb. Alle Macht der eigenen Homepage, lautet die Devise. Mit Zusatzleistungen wie Versicherungen, Mietwagen oder Hotelzimmern verdienen die Iren schließlich einiges Geld (ebenso wie mit zahlreichen Zusatzgebühren für Gepäck, Check-in oder Verpflegung) – der Flug selbst deckt ja kaum die Kosten.

Ob sich Ryanair durch ein striktes Fremdvertriebsverbot allerdings einen Gefallen tut, in dem es auf zahlreiche verkaufte Flugsitze verzichtet bezweifelt u.a. Dirk Rogl. Betroffen sind ja prinzipiell alle virtuellen Veranstalter.

Aus Reisebüro-Sicht würde es mich allerdings freuen, wenn künftig keine Ryanair-Flüge ins Reisepaket rutschen: Die meisten Kunden wissen nichts von den zahlreichen Zusatzgebühren, die noch auf sie zukommen und reagieren entsprechend „erfreut“ – und die günstige Paketreise ist mit einem Mal gar nicht mehr so günstig…

Aber noch handelt es sich ja nur um eine einstweilige Verfügung, Vtours hat dagegen rechtliche Schritte angekündigt.

Schon alles gesehen?

8. Juli 2008

Die Deutschen sind über die Jahre hinweg so viel gereist, dass viele das Gefühl haben, praktisch alles gesehen zu haben. Sollte jetzt noch eine weitere Teuerung hinzukommen, wird ein Teil der Kunden dann einfach sagen: Wir haben so viel gesehen. Das müssen wir jetzt nicht mehr haben.

sagt Dr. Jürgen Kagelmann von der Uni München in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Reich werden mit Domains (III.): Urlaub.com

7. Juli 2008

Beim Verkauf der Domain Urlaub.com im Mai hab ich mich offenbar sauber getäuscht. An den offiziellen Kaufpreis von 850.000 Euro cash, den Käufer Holidaycheck gezahlt haben will, hatte ich nicht für möglich gehalten.

Der ursprüngliche Plan (lt. wuv u.a.):

Urlaub.com soll im Laufe des Jahres zu einer vollwertigen E-Commerce-Reiseverkaufsplattform ausgebaut werden.

Also gut, schau‘ mer mal was da los ist, 3 Monate nach dem Kauf. Von der „Reiseplattform“ ist nichts mehr zu sehen, Urlaub.com wird derzeit schlichtweg auf Holidaycheck.de weitergeleitet.

Ganz allgemeine Frage: Woher kommt der Wert einer Domain? Antwort: Traffic und/oder Marke. Also Traffic durch…:

  • Variante 1: Gute generische Domain. Die Leute tippen einfach gern „urlaub.com“ in ihren Browser
  • Variante 2: SEO. Urlaub.com ist super in den Suchmaschinen bei Google platziert und liefert daher passenden (und kostengünstigen) Traffic
  • Variante 3: Etablierte Marke. Urlaub.com hat sich seit den Anfängen 1997 im web etabliert und hat entsprechend Stammkundschaft und/oder hat Potential und kann mit zusätzlichem Geld (z.B. als Zweitmarke) weiter ausgebaut werden

Alle drei Punkte klingen prinzipiell plausibel und könnten für sich oder in Kombination den Domainwert begründen. Wenn da nicht folgende Einwände wären:

  • Gegen die gute generische Domain spricht, dass .com-Domains in Deutschland seltenst einfach so eingetippt werden (siehe z.B. auch die Umbenennung von Lastminute.com in Lastminute.de)
  • Auf evtl. vorhandene gute Google-Platzierungen legt der Käufer ebenso keinen Wert wie auf die „Marke“, sonst würde er nicht alle 290.000 Unterseiten einfach auf die Holidaycheck-Startseite weiterleiten! Auf kurz oder lang werden die Urlaub.com-Seiten aus dem Index verschwunden sein
  • Die Trafficzahlen von Urlaub.com deuten auch nicht darauf hin, dass aus hier nicht genannten Quellen übermäßig viel Traffic kommen würde

Wenn also weder Traffic noch Marke als Argument für 850.000 Euro taugen – was dann?

Bleiben noch drei weitere Möglichkeiten:

  • Variante 4: Public Relations (PR)! Wer nennt schon konkrete Kaufpreise in seinen Pressemeldungen – kaum einer. Und eben darum erzeugt es besonders viel Aufmerksamkeit, wenn’s denn doch mal einer macht. Und 850.000 Euro sind ja auch kein Pappenstiel, da wird schon mal berichtet
  • Variante 5: Holidaycheck hat sich einfach verkalkuliert und den Wert von Urlaub.com falsch eingeschätzt. Die Domain bringt nicht das gewünschte Resultat (in der Pressemeldung ist noch die Rede von „… werden wir die Besucherzahlen und Umsätze [von Urlaub.com] in kurzer Zeit stark erhöhen“). Hat nicht geklappt, daher wird das Projekt kurzerhand per redirect auf Holidaycheck.de eingestampft
  • Variante 6: Vielleicht taugt das Marken-Argument ja doch. Die Weiterleitung der Domain ist nur temporärer Natur (wofür der 302-redirect spricht), Urlaub.com wird derzeit neu konzipiert und kommt irgendwann doch noch als (teure) Zweitmarke an den Start

Mir scheint Nr. 6 am plausibelsten. Oder hat jemand vielleicht noch weitere Erklärungen?

PS: Wie ich auf das Thema überhaupt komme? Jemand hat per Rundmail die tollen Domains „hotelanlangen.biz/.org“ für je 1.200 Euro angeboten. Und das ist nun wirklich völlig überteuert.

Online-Touristik anno 2000

6. Juni 2008

Bin grad zufällig auf einen interessanten dpa-Artikel aus dem Jahr 2000 gestoßen: „Touristik-boom im Internet„. Die TUI hatte vor 8 Jahren noch nicht mal einen funktionierenden Webauftritt :-)

Von den einstigen Marktführern ist praktisch nichts mehr übriggeblieben:

  • Bei den IBEs war die Buchungsmaschine AG Quasimonopolist und hatte 2000 Reisen für 33 Mio. DM vermittelt. 2006 verschwand das Unternehmen von der Bildfläche.
  • Das börsennotierte Online-Reisebüro Travel24 wollte nach eigenen Angaben vor 8 Jahren schon Reisen für 200 Mio. DM verkauft haben – im Jahr 2007 waren’s noch ganze 15 Mio. Euro.

Ryanair schaltet Online-Buchungen ab

15. Februar 2008

Wie heise.de berichtet schaltet Ryanair sein Online-Buchungssystem am 22.2.08 für 3 Tage ab. Bemerksenswert v.a. deshalb, weil Ryanair über 90% seiner Buchunge online generiert. Hintergrund ist die Umstellung des Reservierungssystems auf Endpreise, da die britischen Wettbewerbshüter (OFT) die Darstellung der Preise (Flüge ab 1 Cent! Plus Steuern hier und Steuern da, Gebühren noch und und und) beanstandet hatten.

Und diese Umstellung ist offenbar a) mittlerweile so dringend und b) einigermaßen kompliziert. Der resultierende Umsatzausfall wird auf stolze 27 Mio. Euro beziffert.

Siehe auch ftd.de: „Ryanairs größter Geizhals muß investieren„.