Tourismus im Second Life

21. Februar 2007

Die Stadt Galveston in Texas ist gerade dabei, sich selbst nocheinmal zu bauen – in Second Life, einer virtuellen Welt. Wozu das ganze?

Offensichtlich als Bestandteil der Tourismusförderung

meint Markus Breuer von notizen aus der provinz.

Aloft in Second LifeWas für Ideen und Möglichkeiten es für die Touristik in Second Life (SL) ergeben zeigt auch das Beispiel von Starwood Hotels, deren neues Aloft-Hotel Nutzer jetzt virtuell erleben können und so einen guten Eindruck vom Hotel bekommen können. Auf dem Blog zum virtuellen Hotel lässt sich die Entwicklung verfolgen, aktuell steht eine Renovierung an. Auch sollen Vorschläge von Gästen aus der virtuellen Welt im realen Bauplan berücksichtigt werden, wenn das echte Hotel 2008 eröffnet wird. Und sicherlich wird der ein oder andere virtuelle Gast auch mal im echten Hotel vorbeischaun – und sei es einfach nur aus Neugier.

Grundsätzlich bietet sich SL natürlich für alle möglichen touristischen Ziele an, Hotels, Sehenswürdigkeiten oder gleich ganze Orte wie eben Galveston. Grad auch für die Kundenbindung könnten sich virtuelle Abbilder eignen: Nach den 14 Tagen auf Mallorca trifft man sich dann eben am virtuellen Ballermann.

Wer mehr über Second Life generell erfahren möchte, dem sei v.a. das webog notizen aus der provinz empfohlen. Markus Breuer berichtet schon seit März 2005 sehr kompetent über SL und weiß v.a. zu unterscheiden zwischen dem aktuellen SL-Hype und dem wirklichen virtuellen Leben ;-)

Geklaute Reisetexte

20. Februar 2007

Inselhüpfen Reisen bietet recht erfolgreich kombinierte Rad-/Schiffsreisen in Kroatien, Griechenloand und der Türkei an. Die Reisen sind offenbar so erfolgreich, dass sie die Konkurrenz immer mal wieder zu kopieren versucht. Jetzt ärgert sich Geschäftsführer Peter Eich allerdings über eine besonders dreiste Kopie: Konkrrent Frosch Sportreisen habe sogar die Texte wörtlich kopiert. Peter Eich auf seinen blog dazu:

Was mich aber wirklich ärgert, sind Kollegen wie Frosch-Sportreisen, die sich nicht mal die Mühe machen, eigene Texte für die Kopien unserer Reisen zu verfassen, sondern etliche Teile unserer Ausschreibungen gleich wörtlich übernehmen.

Nicht ärgern, nur die guten werden kopiert ;-)

AIDA siegt gegen Aidu.de

8. Februar 2007

aida.pngDas Landgericht Köln hat heute entschieden, dass Aidu.de den Namen „Aidu“ im geschäftlichen Verkehr nicht mehr verwenden darf. Andernfalls droht ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro. Geklagt hatte Aida Cruises, die eine starke Verwechslungsgefahr zwischen den beiden Firmennamen sah. Das Gericht gab damit der Anklage praktisch in allen wichtigen Punkten Recht. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht, Aidu hat bereits Berufung eingelegt, jetzt muss das Oberlandesgericht entscheiden.

Aidu.de-LogoSollte sich an der Rechtslage nichts mehr ändern dürfte das ein herber Schlag für Aidu.de sein, da v.a. die Platzierungen der in den Suchmaschinen der über 100.000 Seiten damit wohl hinfällig sind. Die umfassenden Online-Werbekampagnen des Leipziger Aidu.de-Betreibers Unister GmbH hingegen sollten recht schnell auf eine neue Domain umgestellt sein. Ich kenne das genaue Urteil nicht, möglicherweise gibt’s aber die Möglichkeit einer nicht-touristischen Verwendung (d.h. ohne Verwechslungsgefahr mit AIDA) für die gut eingeführte und hochfrequentierte Domain.

Mensch statt Datenbank?

12. Januar 2007

Wenn einer im Internet eine Reise sucht gibt’s ja unzählige Seiten, die ihm da weiterhelfen. Ob (Online-)Reisebüro, Veranstalter, Leistungsträger, Portale oder was auch immer – im Hintergrund sucht eine Internet Booking Engine (IBE) in einer Datenbank und spuckt binnen Sekunden die besten und/oder günstigsten Angebote aus einem Vergleich mehrerer Anbieter aus.

Bei Myjack24.de dreht das Rad jetzt zurück und will die IBE durch Menschen ersetzen. Mitarbeiter von interessierten und registrierten Reisebüros sollen die Anfragen von registrierten Kunden beantworten. Nach spätestens 3 Tagen bekommt der Interessent dann ein Angebot, idealerweise von mehreren Reisebüros, die sich hoffentlich gegenseitig unterbieten. Prima Idee, oder?

Nur mag ich keinen Vorteil zu einer IBE erkennen. Für den Kunden dauert die Antwort statt 3 Sekunden stolze 3 Tage – wenn überhaupt was kommt. Für Reisebüros ist höchstens interessant, wenn sonst wirklich gar nix anderes zu tun ist. 3 Tage! In der Zwischenzeit haben die Kunden dann doch gleich online irgendwo (oder jetzt halt bei Aldi *g*) gebucht. Bei Nix-wie-weg.de bearbeiten wir übrigens seit 1999 keine Anfragemails mehr, die andere 20 Reisebüros auf der Empfängerliste haben – außer Spesen nix gewesen.
Und mal kurz hochgerechnet, was allein die Traveltainment-IBE so für ein Volumen bearbeitet wäre damit wohl das Arbeitslosenproblem in Deutschland, Indien und China zusammen gelöst…

Um nicht nur negatives zu verbreiten im ersten Beitrag nach der “Winterpause”: Das Modell eignet sich möglicherweise ja für Reisearten, wo’s noch keine (brauchbaren) Datenbanken gibt. Viele Nischen fallen darunter, evtl. auch beratungsintensive Reisen wie Kreuzfahrten, was MyJack24 ja auch mit anbietet. Für die klassische Pauschalreise ist das Modell mE aber nix.

Wie Web 2.0 die Reisebranche verändert

9. November 2006

Skeptisch beurteilt Jakob Strobel y Serra heute in der FAZ die langfristigen Chancen, die sich durch das “Mitmach-Netz” im allgemeinen und für die Touristik im speziellen bieten.

Hotel- oder Restaurantbewertungen böten kaum Nutzen, da oft gleichzeitig positive wie negative Meinungen veröffentlicht werden. Dem einen gefällts, dem anderen nicht – wie ist’s denn jetzt in Wahrheit? fragt Strobel etwas naiv. Die Suche nach der einen Wahrheit scheitert nicht am Web 2.0, sondern einfach am Leben: Die Geschmäcker sind nun mal verschieden, und es obliegt immer noch dem Nutzer, die Bewertungen selbst zu bewerten. Wohl auch etwas, was man erst lernen muß, eine Art “Bewertungskompetenz” gewissermaßen. Andererseits hat er natürlich ein Stück weit recht, die Möglichkeiten von Bewertungsseiten sind bei weitem noch nicht ausgereizt, oftmals findet man einfach nur eine plumpe Aneinanderreihung von endlosen Kommentaren.
Strobel fragt sich außerdem, wie lange die Nutzer noch mitspielen und kostenlosen Content liefern, mit dem sich andere eine goldene Nase verdienen:

Immerhin lebt das interaktive Internet ausschließlich vom Enthusiasmus der Nutzer, die ohne Gegenleistung Filme produzieren, Reiseberichte schreiben, Hotels bewerten oder Gleichgesinnte beraten. Wie lange geht diese Menschenfreundlichkeit gut? Wann kollabiert das System, weil es sich kommerzialisiert und andere an den eigenen Mühen verdienen?

Ich sehe durchaus eine Gegenleistung für die Nutzer, sei es die Möglichkeit der Selbstdarstellung etwa auf der YouTube-Bühne, sei es ein Stück Altruismus, anderen die eigenen Erfahrungen bei Reisen weiterzugeben oder auch nur die Möglichkeit, den Ärger über ein schlechts Hotel/Restaurant/… loszuwerden. Die Nutzer sind mE eher dankbar für eine Plattform wie Hotelbewertung.de oder Youtube, als dass sie ihren Anteil am Erfolg (finanziell) einfordern würden. Zum anderen: Linux ist mit genau diesem “Enthusiasmus der Nutzer” sei 1991 höchst erfolgreich unterwegs, obwohl sich damit einige dumm und dämlich verdienen.
Sein Fazit seiner umfangreichen Betrachtungen:

Die User dürfen sich immerhin umsonst austoben und das Netz mit ihren Reiseberichten und Urlaubsvideos vollstopfen. “Emotion sharing” nennt man das in der Fachsprache. Vielleicht ist das ja schon der Fortschritt.

Metasucher für Lastminute-Reisen gestartet

3. November 2006

Auch wenn der Claim (“Kinkaa dir deine Reise”) etwas seltsam klingt, die Technik dahinter ist interessant und die Ansprüche des Startups sind gewaltig (“Google des Reisens werden”). Kinkaa ist eine eben gestartete Metasuchmaschine für Flüge (gibt’s auch in Deutschland schon mit mit Traveljungle oder Billigflieger.de), Hotels (grad kein Beispiel parat), Mietwagen (Mietwagenmarkt, Billiger-Mietwagen) und eben Lastminute/Pauschalreisen.

Und da ist mir noch keine Seite bekannt, die die Pauschal-/Lastminutereisen von verschieden Online-Reisebüros in einer Maske vergleicht. Klar, macht (derzeit) noch nicht so viel Sinn, da Pauschalreisen ja preisgebunden sind und praktisch überall gleich viel kosten. Aber zum einen muß das ja nicht ewig so bleiben und der Preis ist ja immer nur 1 Argument unter vielen. Allein die Möglichkeit zu vergleichen nehmen sicher viele Nutzer als Vorteil wahr. Interessant ist auch der Preisticker, der einen für jede Suche über Preisänderungen per E-Mail informiert. Dank Ajax ist die Seite auch recht angenehm zu benutzen.

Integriert sind derzeit offenbar nur Reisebüros, die Traveltainment als Buchungsmaschine einsetzen, von Ltur (die hätten eigene Preise!) konnte ich kein Angebot finden. Mehrwert würde auch die Aufnahme von dynamisch paketierten Angeboten z.B. von travel-it (ePackage) oder Expedia (click&mix) bieten, die Integration wird aber wohl technisch ein paar Nummern anspruchsvoller sein.
Finanzieren will sich Kinkaa über Werbeeinnahmen und nicht über Provisionen für die Vermittlung von Reisen.

btw: Bei Basicthinking gibt’s ein paar Hintergründe zum Gründer Thorsten Jacobi.

Gute Woche für Travel24

24. Oktober 2006

Nach all den negativen Ereignissen der letzten Jahre gibt’s diesmal gleich zwei gute Nachrichten vom einzig börsennotierten deutschen Online-Reisebüro:

  • Dann wird das Finanzamt 970.000 Euro Vorsteuer aus dem Katastrophenjahr 2000 (67 Mio. DM Verlust) rückerstatten, was die angespannte Liquidität kräftig entlastet (ad-hoc). Die knappe Million Erstattung entspricht immerhin rund 35% des Unternehmenswertes!

Dem gebeutelten Aktienkurs der AG haben beide Meldungen sichtlich gutgetan, der Wert der Gesellschaft stieg entsprechend dem Liquiditätszuwachs auch um rund 35%. Aktuell wird Travel24 an der Frankfurter Börse mit 3,7 Mio. Euro bewertet.

Web2.0: Viel heiße Luft in der Touristik?

20. Oktober 2006

Jürgen Scharrer macht im Touristikreport seinem Ärger über den web2.0-Hype Luft und findet, dass das Thema web2.0 (auch) in der Touristik maßlos überschätzt wird:

Der Denkfehler besteht darin, zu glauben, ein Reiseportal sei dann erfolgreich, wenn es möglichst viele und möglichst ausgiebig chattende Mitglieder hat.

Kundenbewertungen & Co. seien zwar ganz nett, die Touristikunternehmen hätten aber vorher noch andere, wichtigere Aufgaben zu erledigen: Einfachheit von Buchung und Informationssuche, günstige und gute Produkte sowie eine starke Marke.

Wird, wer eine Reise buchen will, erst einmal ein paar hundert Kommentare im Internet lesen, von denen keiner weiß, wie seriös sie sind?

Wohl nicht, impliziert die Frage und hat damit nicht ganz unrecht. Aggregierte und aufbereitete Bewertungen wie bei Hotelbewertung.de oder Holidaycheck bieten jedoch sehr wohl einen Mehrwert und werden auch fleissig genutzt – man frage einfach bei einem x-beliebigen Reisebüro, ob dort nicht schon mal eine Reise wegen einer schlechten Hotelbewertung storniert wurde!

Natürlich sei Platz für Nischenmodelle, so Scharrer, aber eben auch nur für Nischenmodelle. Und spätestens da meldet sich das Gehirn2.0 und widerspricht: Tausende Nischen haben eben auch ihr Gewicht, der Long Tail lässt schön grüßen.
Zur Illustration des Artikels ist übrigens u.a. ein screenshot der Kanzlei Flick zu sehen. Warum? Wegen www.flickr.de :-)

Hotel.de-Börsengang: Auch HRS nennt Zahlen

17. Oktober 2006

Das ist das schöne an einem Börsengang, dass einmal alle Zahlen auf den Tisch kommen.

Durch das PR-Feuerwerk des Börsengangs von Konkurrent Hotel.de offensichtlich aufgeschreckt nennt nun auch Marktführer HRS gegenüber der ftd Zahlen. So konnte HRS im September das vierfache Buchungsvolumen von Hotel.de (75 Mio. € zu 17 Mio. Euro) aufweisen, was die Aussage von Hotel.de-Vorstand Heinz Raufer zurechtrückt, man befinde sich “auf Augenhöhe” mit HRS.
Interessant ist sicher auch die Marge (vor Zinsen und Steuern) von 30% (HRS) bzw. 29% (Hotel.de).

Alle Zahlen zu Hotel.de gibt’s im Börsenprospekt, mehr zu HRS im ftd-Artikel.

L’tur: 6% Wachstum, Online-Anteil rückläufig

17. Oktober 2006

Das höchste Wachstum seit 4 Jahren meldet L’tur für die ersten neun Monate 2006. Um 6% (im 1. Halbjahr: 8%) sei der Umsatz gewachsen. Allen Frühbucher-Angeboten zum Trotz sei auch 2006 ein Last Minute-Jahr.
Auch sei der sonst stagnierende Umsatz der 155 Shops gestiegen, die jetzt 68% zum Gesamtgeschäft beitragen. Der Online-Anteil aller gebuchten Reisen bei Ltur war damit in den buchungsstarken Sommermonaten leicht rückläufig (von 34% auf 32%).

Für eine Abschwächung ab Mai muß bei L’tur die Fußball-WM als Erklärung herhalten, was nicht ganz plausibel erscheint, da das 3. (Nach-WM-)Quartal weit weniger gewachsen ist als das erste Halbjahr – böse formuliert könnte die Überschrift dann auch lauten: “L’tur Wachstum bricht um 25% ein” ;-)