Reich werden mit Domains (III.): Urlaub.com

Beim Verkauf der Domain Urlaub.com im Mai hab ich mich offenbar sauber getäuscht. An den offiziellen Kaufpreis von 850.000 Euro cash, den Käufer Holidaycheck gezahlt haben will, hatte ich nicht für möglich gehalten.

Der ursprüngliche Plan (lt. wuv u.a.):

Urlaub.com soll im Laufe des Jahres zu einer vollwertigen E-Commerce-Reiseverkaufsplattform ausgebaut werden.

Also gut, schau‘ mer mal was da los ist, 3 Monate nach dem Kauf. Von der „Reiseplattform“ ist nichts mehr zu sehen, Urlaub.com wird derzeit schlichtweg auf Holidaycheck.de weitergeleitet.

Ganz allgemeine Frage: Woher kommt der Wert einer Domain? Antwort: Traffic und/oder Marke. Also Traffic durch…:

  • Variante 1: Gute generische Domain. Die Leute tippen einfach gern „urlaub.com“ in ihren Browser
  • Variante 2: SEO. Urlaub.com ist super in den Suchmaschinen bei Google platziert und liefert daher passenden (und kostengünstigen) Traffic
  • Variante 3: Etablierte Marke. Urlaub.com hat sich seit den Anfängen 1997 im web etabliert und hat entsprechend Stammkundschaft und/oder hat Potential und kann mit zusätzlichem Geld (z.B. als Zweitmarke) weiter ausgebaut werden

Alle drei Punkte klingen prinzipiell plausibel und könnten für sich oder in Kombination den Domainwert begründen. Wenn da nicht folgende Einwände wären:

  • Gegen die gute generische Domain spricht, dass .com-Domains in Deutschland seltenst einfach so eingetippt werden (siehe z.B. auch die Umbenennung von Lastminute.com in Lastminute.de)
  • Auf evtl. vorhandene gute Google-Platzierungen legt der Käufer ebenso keinen Wert wie auf die „Marke“, sonst würde er nicht alle 290.000 Unterseiten einfach auf die Holidaycheck-Startseite weiterleiten! Auf kurz oder lang werden die Urlaub.com-Seiten aus dem Index verschwunden sein
  • Die Trafficzahlen von Urlaub.com deuten auch nicht darauf hin, dass aus hier nicht genannten Quellen übermäßig viel Traffic kommen würde

Wenn also weder Traffic noch Marke als Argument für 850.000 Euro taugen – was dann?

Bleiben noch drei weitere Möglichkeiten:

  • Variante 4: Public Relations (PR)! Wer nennt schon konkrete Kaufpreise in seinen Pressemeldungen – kaum einer. Und eben darum erzeugt es besonders viel Aufmerksamkeit, wenn’s denn doch mal einer macht. Und 850.000 Euro sind ja auch kein Pappenstiel, da wird schon mal berichtet
  • Variante 5: Holidaycheck hat sich einfach verkalkuliert und den Wert von Urlaub.com falsch eingeschätzt. Die Domain bringt nicht das gewünschte Resultat (in der Pressemeldung ist noch die Rede von „… werden wir die Besucherzahlen und Umsätze [von Urlaub.com] in kurzer Zeit stark erhöhen“). Hat nicht geklappt, daher wird das Projekt kurzerhand per redirect auf Holidaycheck.de eingestampft
  • Variante 6: Vielleicht taugt das Marken-Argument ja doch. Die Weiterleitung der Domain ist nur temporärer Natur (wofür der 302-redirect spricht), Urlaub.com wird derzeit neu konzipiert und kommt irgendwann doch noch als (teure) Zweitmarke an den Start

Mir scheint Nr. 6 am plausibelsten. Oder hat jemand vielleicht noch weitere Erklärungen?

PS: Wie ich auf das Thema überhaupt komme? Jemand hat per Rundmail die tollen Domains „hotelanlangen.biz/.org“ für je 1.200 Euro angeboten. Und das ist nun wirklich völlig überteuert.

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9 Reaktionen zu “Reich werden mit Domains (III.): Urlaub.com”

  1. Hanspeda

    …ich glaube auch das Punkt 6 am wahrscheinlichsten ist…

  2. teddyholidays

    Ich denke es handelte sich dabei um Variante 4, gepaart mit einem Schuss Hoffnung auf Punkt 6. Allerdings denke ich, dass man bei Urlaub.com ein völlig anderes Konzept bringen wird als bei holidaycheck – um somit verschiedene Zielgruppen ansprechen zu können. Das fände ich zumindest eine logische Vorgehensweise. Wir werden es ja früher oder später sehen…

  3. Marco

    Na ich denke für ein Reisebüro sind Domains die aus einen einzigen Schlagwort bestehen, tatsächlich Gold wert. Die meisten Keywordanfragen dürften doch bei Google Urlaub, Lastminute, Mallorca, Reise usw. sein.

    Eine Domain die dieses Wort für sich hat, steht auf Platz 1 und bekommt vom großen Kuchen am meisten ab.

  4. Kerstin

    @Marco: Das wäre schön, wenn es bei den Suchmaschinen so einfach funktionieren würde. Oder auch nicht, denn dann würden sich ein paar große Konzerne für viel Geld einfach die generischen Domains wegkaufen und die Kleinen hätten gar keine Chance mehr und das nicht nur auf dem Reisemarkt

  5. Trendscout

    Zu Glück ist eine Keywort-Domain nicht die einzige Möglichkeit, bei Google gute Resultate bzw. Platzierungen zu erzielen. Wenn es natürlich auch die Sache etwas erleichtert.

  6. mucmo

    Ein Keyword in der Domain hilft schon ein wenig aber ist nicht entscheidend. Wie schon im ersten der Einwände geschrieben wurde, wird in Deutschland nur seltenst ein Keyword in Verbindung mit .com eingegeben, so dass ich den Verkaufspreis nicht wirklich nachvollziehen kann.

  7. Rico

    Sinn macht das eigentlich nicht, was Holidaycheck da mit der Domain Urlaub.com gemacht hat. Die Domain war sehr gut verlinkt und hat viele Trustlinks von hohem Wert gehabt, diese Backlinkstruktur hätte man unbedingt aufrecht erhalten müssen und Urlaub.com als eigenständige Marke weiterführen müssen. Eine Keyworddomain alleine bringt heute beim Google Ranking so gut wie gar nichts mehr. Aber bei der guten Marktposition von Holidaycheck. speziell in den Google Serps kommts wohl auf 850.000 mehr oder weniger nicht an…

  8. www.urlaub.com - über uns

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  9. Hotel Blog

    Wir schreiben das Jahr 2010, im August und mit der Urlaub.com ist nach wie vor nichts passiert als eine Weiterleitung auf die HolidayCheck Startseite – ganz egal, ob 850.000 € oder 1.000 € – selbst die wären bei der derzeitigen Lösung noch zum Fenster rausgeworfen…die Domainstärke, die über Jahre aufgebaut wurde, ist nun natürlich ziemnlich dahin…verstehe das, wer will…