Unister übernimmt travel24

Der Schock sitzt tief: Meine absolute Lieblingsfirma geht dem Ende zu: Travel24 wird von Unister übernommen.

Zum Kaufpreis gibt’s keine offiziellen Angaben,  die Übernahme durch Unister erfolgt durch den Erwerb von Wandelschuldverschreibungen, die sofort in Aktien gewandelt werden. Hier die offiziellen Meldungen von Travel24 und Unister. Der Kaufpreis dürfte sechsstellig ausfallen, die Gläubiger der Travel24 werden aber froh sein, dass sie überhaupt ein paar Euro von ihrem Einsatz wiedersehen.

Was aber bezweckt Unister mit der Übernahme der Travel24 AG, die seit Menschengedenken nur Verluste schreibt?

Das bisschen Mehrumsatz wird’s wohl kaum sein – das Unister-Flaggschiff ab-in-den-urlaub.de generiert P-mal-Daumen gut 20 Mal so viel Umsatz wie travel24.com. Das kann Unister-Chef Thomas Wagner nicht wirklich interessieren.

Von der “ international nutzbaren Domain“ ist außerdem zu lesen – ob die Domain travel24.com tatsächlich einen relevanten Wert für die internationale Vermarktung hat mag ich nicht so recht glauben. Bei Sedo gibt’s ähnliche 08/15-Domains für ein paar hundert Euro… Eine in den Verbraucherköpfen existierende Marke „travel24“ gibt es nicht, schon gar nicht international. Wenn travel24 für irgendwas steht dann sind es Verluste und nicht gehaltene Ankündigungen. Der Sitz der travel24 wird von München an den Unister-Sitz Leipzig verlegt, so dass von travel24 kaum was übrig bleiben wird.

So, was also dann?

Ich bin kein Finanzexperte, aber mit etwas Phantasie kann man sich leicht ausmalen, dass die rund 80 Mio. € (!) Verlustvortrag die Herzen des Unister-Steuerberaters höher schlagen lassen werden. Dazu wird wohl einiger Umsatz auf travel24.de umgelenkt werden müssen, so einfach den Verlustvortrag vom Unister-Gewinn abziehen wird wohl nicht funktionieren.

Und allein der Börsenmantel der Travel24 ist sicher auch eine schöne 6stellige Summe wert. Wer weiß schon, was die umtriebige Unister GmbH sonst noch so alles vorhat, Stichwort Golfhotel usw.

Entsprechend auch der Kommentar von Thomas Wagner:

Die Börsennotierung der Travel24.com AG eröffnet uns langfristig attraktive Möglichkeiten im Bereich der Finanzierung von Projekten.

Mein Fazit: Für relativ wenig Geld sichert sich Unister die Vorteile (Verlustvortrag, Börsenmantel) der Travel24, deren größter unternehmerischer Erfolg damit erzielt ist, nämlich nicht in Insolvenz gehen zu müssen („unkaputtbar“, wie Dirk meint).

(Danke Jens für die Erinnerung ;-)

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5 Reaktionen zu “Unister übernimmt travel24”

  1. Torsten

    Dafür das es die Marke „travel24“ in den Köpfen der Menschen so nicht geben soll, dafür gibt es aber genug, die da andere Erfahrung gemacht habe. Ich erinnere mich da an eine legendäre Abmahnwelle, bei der alle Domains, die auch nur so ähnlich waren einen netten Brief bekamen. Und das nur weil man sich dieses travel24 durch Zufall schützen konnte, obwohl dies eigentlich nicht möglich sein sollte, da es sich normal um nicht schützenswerte Begriffe handelt

  2. Robert

    Travel24 ist um einiges Aggressiver geworden, nach der Übernahme. Bekomme ständig, Angebote. Ich weiß auch nicht, ob sich Unister mit der Marke nicht selbst Konkurrenz macht für reisen.de oder fluege.de.

  3. Abenteuerer

    Ich beobachte auch seit einigen Jahren die Travel24 AG. Schade das die ganze Geschichte nun an Unsiter gegangen ist, hätte man das früher gewusst hätte man sich zumindest vorab ein paar Prozente an der AG sichern können. Aktuell wird Travel24 jedenfalls mit 27 Mio. bewertet. Im Tiefpunkt waren es gerade mal ca. 4 Mio…

  4. David

    Hallo,

    habe soeben den ersten, brandneuen Werbespot von Travel24 im TV gesehen. Und damit dürfte klar sein, was Unister mit dem Portal bezweckt:

    1. Weitere Synergieeffekte (Unister-Reiseteam und die unzähligen Vorteile, die das Unister-Netzwerk sowie so schon mit sich bringt – nicht zuletzt der knallhart ausgehandelte, riesige TV-Deal mit sevenone, wo man mehr oder minder die Kapazitäten frei bestücken kann)

    2. Das kommunizierte Motto von Travel 24 a la „Jeden Tag die besten Deals“ – da springt man ab sofort auf die aktionsbasierte Imagewelle der Shopping-Clubs wie Brands4Friends, BuyVIP oder wie seinerzeit im Travelbereich TripHunter (auch wenn da komplett versagt wurde). Und mit dieser Masche lässt sich Marketing-technisch garantiert Einiges machen – nicht zuletzt im Newsletter/Registerbereich wie „Anmelden und keinen Deal mehr verpassen“Und das E-Mail Marketing schon immer ein Steckenpferd von Unister war, müsste eigentlich jeder Deutsche mit einer Mailadresse mittlerweile wissen. ;-)

  5. Rita

    lasst bloß die finger von unister betriebenen portalen es gibt nur ärger mit denen, überhaupüt nbicht zu empfehlen!!!