Web2.0: Viel heiße Luft in der Touristik?

Jürgen Scharrer macht im Touristikreport seinem Ärger über den web2.0-Hype Luft und findet, dass das Thema web2.0 (auch) in der Touristik maßlos überschätzt wird:

Der Denkfehler besteht darin, zu glauben, ein Reiseportal sei dann erfolgreich, wenn es möglichst viele und möglichst ausgiebig chattende Mitglieder hat.

Kundenbewertungen & Co. seien zwar ganz nett, die Touristikunternehmen hätten aber vorher noch andere, wichtigere Aufgaben zu erledigen: Einfachheit von Buchung und Informationssuche, günstige und gute Produkte sowie eine starke Marke.

Wird, wer eine Reise buchen will, erst einmal ein paar hundert Kommentare im Internet lesen, von denen keiner weiß, wie seriös sie sind?

Wohl nicht, impliziert die Frage und hat damit nicht ganz unrecht. Aggregierte und aufbereitete Bewertungen wie bei Hotelbewertung.de oder Holidaycheck bieten jedoch sehr wohl einen Mehrwert und werden auch fleissig genutzt – man frage einfach bei einem x-beliebigen Reisebüro, ob dort nicht schon mal eine Reise wegen einer schlechten Hotelbewertung storniert wurde!

Natürlich sei Platz für Nischenmodelle, so Scharrer, aber eben auch nur für Nischenmodelle. Und spätestens da meldet sich das Gehirn2.0 und widerspricht: Tausende Nischen haben eben auch ihr Gewicht, der Long Tail lässt schön grüßen.
Zur Illustration des Artikels ist übrigens u.a. ein screenshot der Kanzlei Flick zu sehen. Warum? Wegen www.flickr.de :-)

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4 Reaktionen zu “Web2.0: Viel heiße Luft in der Touristik?”

  1. Diana

    Muss man das denn so getrennt sehen? web2.0 und die generelle Optimierung des Onlinevertriebs mit den aufgeführten Problemen? Wie wärs denn mit Opitmierung durch web2.0?

    Natürlich bringen viele, eifrig chattende Besucher auf den ersten Blick keinen Umsatz. Doch eines der Probleme im Onlinevertrieb ist ja die problematische Kundenbindung. Und web2.0-Geschichten, speziell Communities, bieten doch ausgezeichnete Möglichkeiten den Kunden nach der Reise fast automatisch auf die Seite wiederkehren zu lassen. Wodurch sich dann das von Scharrer angesprochene 5. Problem der Stärkung der Marke auch zwangsläufig verbessert.
    Zumal ja web2.0 auch mehr ist, als „nette Bewertungssysteme, wie das im Artikel so vereinfacht darstellt wird.

  2. Exciting Commerce

    Gut erklärt: transaktions- und beziehungsorientierte Websites…

    Gerhard Schoolmann greift einen lesenswerten Beitrag aus dem Touristikblog (Web 2.0: Viel heiße Luft in der Touristik?) auf und verdeutlicht ein paar wichtige Punkte, die in den Diskussionen um die Relevanz von Web 2.0 immer wieder zu Konfusionen füh…

  3. Daniel

    In der Tat: web 2.0 sind doch nicht „chattende Besucher“. Ich stimme damit überein, dass eine chattende Community nicht direkt Profit bringt, aber das war auch schon im web 1.0 so – der Ruf nach Chats ist ja kein web 2.0 Phänomen. web 2.0 ist eine sehr viel tiefer greifende Kommunikationsstrategie, die sehr wohl auf Kundenbindung einzahlt bzw. einzahlen kann. Natürlich gilt aber wie immer: Bevor man sich mit 2.0 befasst, sollte man erstmal 1.0 richtig machen.

  4. Stephanie

    Wer mehr über das Thema „Web 2.0“ wissen möchte, dem kann ich den Blog http://tourismus-weblog.fh-heilbronn.de/web2.0/ empfehlen. Dort findet man viele Infos, vor allem Basiswissen zum Thema.